
Eine gerötete Stelle am Steißbein, an der Ferse oder am Hüftknochen kann der erste Hinweis auf einen Dekubitus sein. Sie verdient Aufmerksamkeit, auch wenn sie zunächst klein wirkt und keine offene Wunde erkennbar ist. Dieser Leitfaden zur Dekubitusprophylaxe zuhause zeigt, wie Angehörige, Pflegebedürftige und ambulant Versorgende Druckschäden frühzeitig verhindern und geeignete Hilfsmittel sinnvoll in den Alltag einbinden.
Warum Druckgeschwüre zuhause entstehen können
Ein Dekubitus, auch Druckgeschwür genannt, entsteht, wenn Haut und darunterliegendes Gewebe über längere Zeit gegen eine harte Unterlage gedrückt werden. Die Durchblutung wird eingeschränkt, Zellen erhalten zu wenig Sauerstoff und können geschädigt werden. Besonders gefährdet sind Körperstellen, an denen Knochen dicht unter der Haut liegen: Fersen, Knöchel, Knie, Steißbein, Sitzbeinhöcker, Hüften, Schulterblätter, Ellenbogen und Hinterkopf.
Druck allein erklärt jedoch nicht jeden Dekubitus. Scherkräfte spielen ebenfalls eine Rolle, etwa wenn eine Person im Bett nach unten rutscht oder beim Umsetzen über die Sitzfläche gezogen wird. Feuchtigkeit durch Schwitzen, Inkontinenz oder Wundsekret weicht die Haut auf. Mangelernährung, Flüssigkeitsmangel, Durchblutungsstörungen, Diabetes, Sensibilitätsstörungen und bestimmte Medikamente können das Risiko zusätzlich erhöhen.
Nicht jede eingeschränkte Mobilität bedeutet automatisch ein hohes Dekubitusrisiko. Entscheidend ist die Gesamtsituation: Kann sich die Person selbstständig verlagern? Spürt sie Druck oder Schmerzen zuverlässig? Wie ist der Hautzustand? Bei neu auftretender Immobilität nach einer Operation, einem Schlaganfall oder einer akuten Erkrankung sollte die Risikoeinschätzung früh erfolgen.
Dekubitusprophylaxe zuhause beginnt mit Beobachtung
Die Hautkontrolle gehört fest in den Tagesablauf. Untersuchen Sie gefährdete Stellen bei guter Beleuchtung, möglichst morgens und abends sowie nach längeren Liege- oder Sitzphasen. Achten Sie auf umschriebene Rötungen, Verhärtungen, Überwärmung, Schwellung, Blasen, nässende Stellen oder Schmerzen. Bei dunklerer Haut sind Rötungen nicht immer eindeutig sichtbar. Dann können eine andere Hautfarbe, ein glänzendes Erscheinungsbild, Wärme, Härte oder Druckempfindlichkeit auffallen.
Ein praktischer Test bei heller Haut: Drücken Sie kurz mit einem Finger auf die gerötete Stelle. Wird sie nicht blasser, kann dies auf eine nicht wegdrückbare Rötung hinweisen. Die Stelle darf dann nicht weiter belastet werden. Reiben oder massieren Sie gerötete Areale nicht. Das kann das bereits gefährdete Gewebe zusätzlich schädigen.
Bei einer nicht wegdrückbaren Rötung, einer Blase, offenen Hautstellen, zunehmenden Schmerzen oder Fieber ist zeitnah ärztlicher Rat erforderlich. Menschen mit Diabetes, Durchblutungsstörungen oder eingeschränkter Schmerzempfindung sollten Veränderungen besonders früh medizinisch abklären lassen. Ein bestehender Dekubitus braucht eine fachgerechte Wundbehandlung und einen individuellen Entlastungsplan.
Druck entlasten: Bewegung, Lagerung und Sitzzeiten
Die wirksamste Maßnahme ist Druckentlastung. Wer dazu in der Lage ist, sollte zu regelmäßigen kleinen Bewegungen angeleitet werden: die Position im Bett verändern, das Gewicht im Sessel verlagern, die Füße bewegen oder mit Unterstützung kurz aufstehen. Kleine, häufige Bewegungen sind oft realistischer und schonender als seltene, anstrengende Mobilisationsversuche.
Bei Personen, die sich nicht selbst umlagern können, wird die Lagerung individuell geplant. Ein starrer Zeitplan nach Uhr funktioniert nicht für jeden Menschen. Hautzustand, Mobilität, Schmerz, Schlafqualität, Matratze und Sitzdauer bestimmen, wie häufig eine Entlastung nötig ist. Fachpflegekräfte oder behandelnde Ärztinnen und Ärzte können einen passenden Lagerungsrhythmus festlegen. Besonders nachts muss zwischen notwendiger Druckentlastung und erholsamem Schlaf abgewogen werden.
Beim Positionieren gilt: Ziehen Sie die Person nicht über das Laken. Nutzen Sie geeignete Gleit- oder Transferhilfen, um Reibung und Scherkräfte zu verringern. In Rückenlage müssen die Fersen frei gelagert werden, ohne dass sie auf der Matratze aufliegen. Ein Kissen unter den Unterschenkeln kann dabei helfen, sofern es die Knie nicht unangenehm überstreckt und keine Druckstellen an der Achillessehne entstehen.
Im Sitzen ist die Belastung am Steißbein und an den Sitzbeinhöckern hoch. Ein längeres Sitzen im Rollstuhl oder Sessel kann deshalb trotz einer guten Matratze problematisch sein. Prüfen Sie Sitzdauer, Sitzhaltung und die Möglichkeit zur Gewichtsverlagerung. Die Füße sollten sicher auf dem Boden oder einer Fußstütze stehen, damit die Person nicht nach vorne oder unten rutscht.
Hilfsmittel gegen Dekubitus passend auswählen
Hilfsmittel gegen Dekubitus ergänzen Bewegung und fachgerechte Lagerung, ersetzen sie aber nicht. Die Auswahl richtet sich nach Risiko, Gewicht, Mobilität, Körperform, Pflegeumgebung und bereits vorhandenen Hautveränderungen. Eine hochwertige Lösung ist nur dann sinnvoll, wenn sie korrekt eingestellt ist und zur tatsächlichen Nutzungssituation passt.
Antidekubitusmatratzen verteilen den Auflagedruck besser als herkömmliche Matratzen. Je nach Risiko kommen Schaumstoffsysteme, Wechseldruckmatratzen oder andere spezialisierte Systeme infrage. Wechseldrucksysteme können bei stark eingeschränkter Eigenbewegung sinnvoll sein, benötigen aber eine korrekte Einstellung und regelmäßige Funktionskontrolle. Manche Menschen empfinden die wechselnden Luftkammern als unruhig oder schlafen darauf schlechter. Diese Rückmeldung gehört in die Auswahlentscheidung.
Sitzkissen können den Druck im Rollstuhl, Pflegesessel oder auf anderen Sitzflächen reduzieren. Dabei sind Kissenform, Größe, Bezug, Belastbarkeit und die individuelle Sitzposition relevant. Ein zu weiches oder falsch platziertes Kissen kann die Haltung verschlechtern und Scherkräfte erhöhen. Ringkissen sind zur Dekubitusprophylaxe in der Regel nicht geeignet, weil sie den Druck am Rand konzentrieren können.
Für die Fersenentlastung stehen spezielle Fersenfreilagerungshilfen und Lagerungskissen zur Verfügung. Positionierungskissen helfen, eine stabile Seiten- oder Schräglage zu erhalten. Transferhilfen, Bettaufrichter und geeignete Pflegebetten können Mobilisation und Lagewechsel erleichtern. Servomed führt Hilfsmittel für die häusliche Pflege in verschiedenen Ausführungen – vor der Auswahl sollten Bedarf, Maße und Versorgungsziel klar sein.
Haut schützen, ohne sie zu überpflegen
Saubere, trockene und intakte Haut ist widerstandsfähiger. Waschen Sie mit lauwarmem Wasser und milden Produkten. Tupfen Sie Hautfalten sorgfältig trocken, statt kräftig zu reiben. Bei Inkontinenz sind zeitnahe Versorgung, hautschonende Reinigung und ein geeigneter Hautschutz wichtig. Inkontinenzprodukte müssen saugfähig sein und gut sitzen, dürfen aber nicht einschnüren oder Falten bilden.
Pflegeprodukte sollten zur Haut passen. Sehr fetthaltige Präparate können je nach Material die Aufnahmefähigkeit von Inkontinenzprodukten beeinträchtigen. Puder kann verklumpen und Reibung verursachen. Fragen Sie bei empfindlicher, vorgeschädigter oder dauerhaft feuchter Haut Pflegefachkräfte nach einer geeigneten Schutzstrategie. Auch Bettwäsche, Kleidung und Unterlagen sollten glatt, trocken und faltenfrei sein.
Ernährung und Flüssigkeit als Teil der Vorbeugung
Haut und Gewebe benötigen ausreichend Energie, Eiweiß, Vitamine, Mineralstoffe und Flüssigkeit. Ungewollter Gewichtsverlust, geringe Essmengen, Kau- oder Schluckprobleme sowie Appetitlosigkeit erhöhen das Dekubitusrisiko. Beobachten Sie daher nicht nur die Haut, sondern auch Mahlzeiten, Trinkmenge und Gewichtsverlauf.
Pauschale Trinkmengen sind nicht für alle Menschen geeignet. Bei Herz- oder Nierenerkrankungen können ärztlich festgelegte Einschränkungen gelten. Wenn eine Person deutlich weniger isst oder trinkt, Gewicht verliert oder häufig Mahlzeiten auslässt, sollte die behandelnde Praxis oder eine Ernährungsfachkraft einbezogen werden. Ergänzende Trinknahrung oder eiweißreiche Kost gehören in eine fachlich abgestimmte Versorgung.
Zuständigkeiten im Pflegealltag klar vereinbaren
Dekubitusprophylaxe gelingt besser, wenn Beobachtungen nicht nur im Gedächtnis bleiben. Ein einfacher Plan kann festhalten, welche Hautstellen kontrolliert werden, wann gelagert oder mobilisiert wurde, wie lange Sitzphasen dauern und welche Veränderungen auftreten. Das ist besonders hilfreich, wenn mehrere Angehörige, ein ambulanter Pflegedienst oder eine Betreuungskraft beteiligt sind.
Bei gesetzlichen Versicherten kann je nach medizinischer Notwendigkeit eine Verordnung für bestimmte Hilfsmittel möglich sein. Die konkrete Versorgung, Genehmigung und Kostenübernahme hängen von Diagnose, Vertragssituation und Krankenkasse ab. Ärztliche Verordnung, Pflegeberatung, Sanitätshaus und Krankenkasse sollten bei komplexem Bedarf frühzeitig zusammenarbeiten.
Gute Dekubitusprophylaxe zuhause zeigt sich nicht an möglichst vielen Kissen oder möglichst häufigen Unterbrechungen, sondern an einer aufmerksamen, respektvollen Routine. Wer Hautveränderungen ernst nimmt, Druck rechtzeitig reduziert und Unterstützung holt, schützt nicht nur die Haut, sondern auch Komfort, Schlaf und Würde im Alltag.

